In Höhr-Grenzhausen geht hochmoderner Tunnelofen in Betrieb

Es wäre eine Feierstunde gewesen, wie sie bei Steuler nur alle Jahrzehnte einmal vorkommt. Dem besonderen Anlass angemessen, hätten sich Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Presse, Wissenschaft und relevanten Branchen ein Stelldichein gegeben und mitgefiebert. Das erstmalige Zünden eines Tunnelofens ist für eine keramische Produktion ein seltener und ganz außergewöhnlicher Moment. Schließlich geht ein solcher Hochleistungsofen nur einmal in Betrieb und läuft dann im Idealfall jahrzehntelang ununterbrochen.

Michael Steuler startet per Knopfdruck das Hochfahren des neuen Tunnelofens

Unter Corona-Bedingungen stellte sich das feierliche Zünden des 96 Meter langen Ofens allerdings etwas anders dar. Mit ungefähr 80 Verantwortlichen aus allen Unternehmensbereichen der Steuler-Gruppe war es ein eher kleiner Kreis, der dem besonderen Ereignis unter strengen Hygieneregeln beiwohnen durfte und damit ein neues Zeitalter der Brenntechnologie im Hause Steuler einläutete.

„In außergewöhnlichen Zeiten wie diesen ist es wichtig, Zuversicht zu bewahren und sich auf die Zukunft zu fokussieren. Diese Investition bestätigt unseren nach vorne gerichteten Blick.“, bringen es Michael Steuler, Geschäftsführer der Steuler Holding und Ulf Frohneberg, Geschäftsführer der STEULER-KCH Materials, auf den Punkt.

Seit dem 18. August 2020 ist er also in Betrieb, der hochmoderne, leistungsstarke Tunnelofen, der neue Arbeitsplätze schaffen und die Produktionskapazitäten in Höhr-Grenzhausen um ca. 8.000 Tonnen pro Jahr erhöhen wird. An den Steuler-Produktionsstandorten Höhr-Grenzhausen und Breitscheid stehen damit ab sofort Ofenkapazitäten von insgesamt 60.000 Tonnen pro Jahr zur Herstellung feuerfester und säurefester Spezialsteine zur Verfügung.

Noch werden während der Aufheizphase leere Ofenwagen in den neuen Tunnelofen eingefahren

Bis zu 500.000 EUR Gaskosten spart der neue Ofen jährlich ein – bei gleichzeitiger Leistungssteigerung. Die Abwärme des bei 1.350°C brennenden Ofens wird dank intelligenter Wärmerückgewinnung für die Trocknung, das Beheizen der Hallen und die Warmwasseraufbereitung genutzt. Da der Ofen mitsamt Nebenanlagen mit einer solch beachtlichen Energieeffizienz arbeitet, wurde das Projekt von der KfW gefördert.

Begleitet wurde die immense Investition in den letzten 17 Monaten von umfangreichen Tiefbauarbeiten entlang der stillgelegten Bahngleise und kostenintensiver Anpassung der Infrastruktur zum Betrieb des Ofens: Aufbereitung, Pressen, Lagerflächen und Verpackungsstraßen in Höhr-Grenzhausen mussten grundlegend modernisiert und vergrößert werden, um mit der größeren Kapazität des neuen Ofens mithalten zu können. Für die fachgerechte Installation und Inbetriebnahme des neuen Ofens zeichneten die Monteure des Ofenbauers Grün S.R.O. aus Karlsbad (Tschechien) verantwortlich, die die letzten Wochen mit intensiven Vorbereitungsarbeiten am Standort Höhr-Grenzhausen verbrachten.

Nach dem Start des Ofens werden die insgesamt 54 Brenner nacheinander hochgefahren

Sobald der neue Ofen nach ungefähr acht Tagen seine endgültige Brenntemperatur erreicht hat, kann der Vorgänger aus dem Jahr 1951 in Rente gehen – er musste bis dahin während seiner gesamten Einsatzzeit nur ganze fünfmal heruntergefahren werden. An seiner Stelle entsteht in Kürze eine neue, effiziente Verpackungsstraße mit Stretchanlage und auch die Rohstoffboxen müssen im nächsten Schritt noch umgebaut werden. Der erhöhte Ofenaussatz erfordert mehr Lagerfläche, für die Kommissionierung wird daher eine Fläche von 7.500 m² geschaffen. Nach Abschluss aller Baumaßnahmen ist Zeit für eine Wiederbegrünung. Dort, wo Rodungsarbeiten notwendig waren, wird zum Abschluss der Investitionsmaßnahmen eine Baumallee entstehen, damit das Landschaftsbild erhalten bleibt.

Ein Video mit spannenden Innenaufnahmen des Ofens ist nun verfügbar auf YouTube.

Zurück